Der Gärtner von Markus Staub
Der neue Manager des Hotelkonzerns brachte viele Ideen mit an seinen Arbeitsplatz. Ihm war klar und bewusst, die Hotels in der Gruppe sollen Neuerungen erfahren, die eine noch stärker blühende Zukunft bringen sollen. Nicht dass es den Hotels schlecht ging, nein, die Hotels sind allesamt gut aufgestellt. Die kompetenten Mitarbeitenden sind gut geschult und geben jeder Einzelne ihr Bestes. Die wichtigen Kennzahlen der Häuser sind stetig steigend, was Jedem Freude macht und positiv in die Zukunft blicken lässt.
Nach dieser Bestandesaufnahme setzte sich der Manager in die Gartenwirtschaft hinaus, sich einen Drink bestellt und sich zum Tagesabschluss seinen Gedanken über das Aufgabengebiet, welches er zu bewältigen hatte, hinzugeben. Dabei war das Wichtige, welchen Weg er in diesem Unternehmen als Marketingfachperson einschlagen werde. Dazu sah er die Schwierigkeit an frische Gäste für die Hotelübernachtungen heranzukommen. Was er hier im Hause sah, in der kurzen Zeit war einiges, doch da fehlte ihm noch irgendetwas. Es kann nicht sein, dass einfach mal einige Flyer versenden, Werbung schalten, Personen telefonisch motivieren, Plakate aufhängen, Berge von Emails versenden. Das ist das Eine. Es ist Handarbeit, die dazugehört und gemacht werden muss. Doch da ist noch etwas Anderes, das ihm zu fehlen schien. Auf Anhieb kam er nicht dahinter, was es sein könnte. Nach dem zweiten Drink dämmerte es dem Manager. Es ist das Herz, was hier fehlt. Die Arbeit wird konkret und korrekt ausgeführt. Es ist jedoch einfach die Arbeit, die gemacht werden muss. Und das Herz bleibt zu Hause. Schade! Es ist genauso wie im Privaten. Das Leben kann gefüllt sein mit Frau, Kinder, Familie. Das ist wunderbar. Dessen ungeachtet kann dies nicht reichen, um ein erfülltes Leben zu führen. Es braucht die Liebe, das Herz, welches in die Familie, in den Alltag hineinfliessen sollte. Herzhafte Zeit, Tage miteinander verbringen, ohne grossartige Sprünge zu machen. Aber mit Herz. Dann wird es ausgefüllt. Dies führt zu einem meisterhaften Leben.
Beim dritten Drink wurde ihm klar, dass Neuerungen für das Publikum mit Herz erfüllt sein müssen. Von ihm als Vorbild und von all seinen Mitarbeitern. Dann kann es klappen, noch viel mehr Gäste ins Hotel zu locken.
Genau an dieser herzhaften und meisterlichen Idee arbeitete er anschliessend, bis er diese Idee konkretisieren konnte.
Eine der vielen Ideen des Managers ging dorthin, wo die Umgebungsgestaltung der Hotels anziehender und Publikumsnäher angelegt werden können. Jedenfalls einige der Häuser aus der Gruppe hatten das Potenzial dazu. Die Gärten, so seine Überlegungen, sollen zu kleinen Kunstwerken umgebaut werden. Kleinode, Bijous, welche den Gästen Mehrwert und herzerfüllende Entspannung bringen. Dazu mehr Freude für den Alltag und Leichtigkeit für das Leben. Die Motivation, die aus dem Blick und Aufenthalt im Garten erwachsen soll, wird die Gäste beflügeln, vermehrt ihr Hotel als erbauende Unterkunft zu nutzen.
So war seine Idee. Aber auch seine Überzeugung. Die Überzeugung, dass solche lebenswerten, aufbauenden Gärten zu mehr Gästen, mehr zufriedenen Gästen führen wird. Dabei wird es wichtig sein, diese Gärten und die Hotels in die Vermarktung stark einzubeziehen. So etwa mit Namen der Gärten wie, der Garten der Gewinner oder der Garten der Sieger, Garten der Inspiration und des Vergnügens für Auge, Geist und Seele.
Unter all seinen Notizen, die er über diese Gärten angelegt hatte, war ihm eine Frage ins Auge gestochen, die noch überhaupt nicht beantwortet war: wer kann solch einen Garten anlegen. Dazu kam, dass es einige Gärten gab, bei den verschiedensten Hotels des Konzerns, die entsprechend angelegt werden sollten.
Die Überlegungen dazu brauchten nicht allzu lange, bis er die zündende Idee fand, die genau das herauskristallisieren kann, was er will, was ihn seinem Ziel näherbringen wird. Mit einem Wettbewerb entsprechend hohe Auflagen und Vorgaben für die Teilnehmenden, ist es möglich, diesen guten Gärtner zu finden, der dieser Aufgabe gewachsen ist. Dieser Gärtner sollte initiativ sein, innovativ, Freude an der Ausgestaltung seines Berufes und das entsprechende Flair mitbringt und mit all seinem Tun die Menschen begeistern kann. Etwas Gutes tun für sich, für die Menschen, welche später diese Gärten begehen und beleben, für die Umwelt und natürlich für das Hotel.
Daraufhin liess er einen Garten-Wettbewerb international ausschreiben, auf zehn Teilnehmer beschränkt. Überall dort, wo er sich vorstellen konnte, dass es gute und willige Gärtner gab. Dazu war die Anmeldefrist auf 15 Tage angesetzt, dass nur diese Gärtner zum Zug kommen konnten, die auch schnell reagieren konnten. Dazu wurde das Ausführungsdatum des Anlasses auf kurze zwei Monate festgesetzt. Wer sich am Wettbewerb anmeldete, musste schnell sein, entscheidungsfreudig, ein Konzept zusammenstellen und schnell überlegen können, also wirklich innovativ sein und auch die Zeit aufbringen, dies alles zu schaffen.
Kaum war dieser Garten-Event ausgeschrieben, meldeten sich schon zwei Gärtner an. Danach tröpfelten weitere Anmeldungen ein und am letzten Tag der Frist meldeten sich noch die letzten drei Landschaftspfleger an. So standen neun Anmeldungen bereit für diesen anspruchsvollen Wettbewerb.
Während der Frist überlegte sich der Manager, wie er eventuelle überzählige Anmeldungen abwimmeln könnte. Doch all diese Gedanken liefen ins Leere, da sich neun Gärtner anmeldeten.
Da der Manager wusste, dass dieser Garten-Wettbewerb viel Platz in Anspruch nehmen wird, konnte er ein herrliches Stück Land anmieten, wo dieser Anlass darauf stadtfinden konnte. Jeder Teilnehmer würde ein Landstück von zehn auf zehn Meter erhalten, um seine auch witzigen und unkonventionellen Ideen darauf ausdrücken zu können.
Die Angemeldeten mussten bis zu einem Monat hin eine genaue Bestellliste senden, worauf alles was die Arbeiten enthielt, darauf bestellt wurde. Jedes Pflänzchen, Blumen, Sträucher, jeden Stein, Werkzeug, einfach alles was zum Fertigstellen dieser «Prachtgärten» vorhanden sein musste. Sie mussten demnach von dem zu fertigenden Garten eine genaue Ahnung haben, wie dieser aussehen sollte. Dazu ein genaues Konzept über die Ausführung dieses. Was es alles braucht, was von Nöten ist. Für die Gärtner eine riesige Aufgabe. Fast noch grösser als die anschliessende Ausführung. Jedoch für einen Gärtner der etwas auf sich haltet, der Wer ist, gar kein so grosses Problem. Die Lösungen sind in diesem Moment der Bestellschreibung schon vorhanden. Vergessen sie etwas auf dieser Bestellung, so können sie es im Ausstellgarten nicht umsetzten.
Alle diese bestellten Utensilien, Hilfsmittel, Produkte und vieles Weiteres, wurden ihnen Am Rand des Landstückes jedes einzelnen Teilnehmers deponiert, so dass die Arbeiten schnell vonstattengehen werden. Jedes Team hatte nur 10 Tage Zeit für den neuen Garten. So die Wettbewerbsbedingungen.
Dann kam der Tag, wo die Teilnehmenden eintrafen. Nach und nach. Nur eine Gruppe hatte sich mit einer knappen E-Mail, dass sie sich vom Anlass abmeldeten, von der ultimativen Arbeit gedrückt.
Zwei Tage konnten sie sich Akklimatisieren. Die Umgebung auskundschaften. Den neuen, zwischenzeitlichen Arbeitsplatz inspizieren. Die bestellten Hilfsmittel kontrollieren. Es war alles vorhanden. Der Manager hatte weitreichende und präzise Vorarbeit und Vorbereitungen getroffen.
Der Anlass, der Wettbewerb konnte beginnen. Die Vorbereitungen waren beendet. Die Teilnehmer waren da. Die Presse wartete auch schon auf einen dramatischen Anlass mit unbekanntem Ausgang. Gespannte Mimik überall. Der Manager hielt eine kurze Ansprache und wünschte den Gärtnern und Landschaftspfleger viel Glück und gutes Gelingen.
Daraufhin wurden Pläne ausgelegt und die verschiedenen Felder angezeigt und ausgemessen. Eines dieser Arbeitsfelder sah anschliessend richtiggehend bunt aus. Farbige Stöcke, Bänder und Latten verteilten sich über den ganzen Platz. Man kann annehmen, sogar erahnen, dass diese Gärtner, welche dort tätig waren, einen vielseitigen Platz, vielleicht auch Park vor sich hatten. Die Ausführung liess viel Fantasie offen für den ersten Betrachter. Andere Arbeitsfelder, Gärten waren nur schlicht mit Latten und Bändern ausgestattet. Was nicht heissen sollte, dass da nichts Gescheites entstehen werde.
Schon nach einigen Tagen sahen die acht Arbeitsfelder ganz anders aus.
Die grösste Mannschaft, welche mit dreizehn Mann angetreten war, hinkte überall hinterher. Da sah man klar, dass nicht jeder konkret wusste, was er zu tun hatte. Oftmals standen sie sich im Weg herum, dass nicht fliessend gearbeitet werden konnte. Es war auch nicht ersichtlich, was die Truppe aus ihrem Feld machen will. Das steht noch in den dreizehn Sternen. Eine andre Gruppe, die sang gerne und hatten sehr viel Durst. Allemal setzten sie sich wieder hin und genehmigten sich einen Drink, ein Bier oder sonst was. Auf jeden Fall war auf dem Arbeitsfeld noch nicht viel entstanden.
Die nächste Brigade verlegte viele Rasenteile. Dazu kamen hier und dort einige Rosenbeete. Ansprechend verarbeitete Beete. Doch nur Rosen in allen Variationen? Ich weiss nicht. Da hat sich wohl der Manager etwas anderes vorgestellt als nur – in Anführungsstrichen – einen Rosengarten. Diese sieht man in den verschiedensten Dörfern und Städten. Ist somit auch nicht unbedingt das absolut Gelbe vom Ei. Dennoch machen sie weiter. Auf der nächsten Arbeitsfläche war eine Landschaft am Entstehen, welche mehr Kinder ansprechen würde. Doch die Klientel des Hotels sind eher Menschen mit Geschäften. Diese setzen sich ganz sicherlich nicht auf eine Schaukel, oder steigen auf eine Rutschbahn. Hier hätten die Kinder ihre liebe Freude und gute Unterhaltung. Natürlich kann ich nicht eruieren, was der Manager für ein neues Publikum ansprechen möchte. Gesehen an der Lage der verschiedenen Hotels geht es nicht um Familienurlaub. Gartenlandschaft mit Gewässer. So könnte man beschreiben, was auf einer weiteren Fläche sich am Anbahnen war. Hügel in grün, Bäche und Sitzflächen. Das ist schon besser, denke ich. Daran wird sich der Chef wohl schon freuen können.
Kurz vor Feierabend, wollte eine weitere Gruppe noch ein Loch graben für einen Akazienbaum, welchen sie am anderen Tag hätten einpflanzen wollen. Akazienbäume sind für solche Unternehmungen sehr interessant, da sie in subtropischen Gebieten häuslich sind. Sandige Böden und trockene Perioden können ihnen nichts anhaben. Sie schützen sich mit Tanninen auch davor, dass ihre Blätter von Tieren gefressen werden. Ein robuster Baum mit einer ausladenden Krone mit vielen Blättern. Ideal für einen lauschigen Sitzplatz. Dies ist auch der Hintergrund der Gruppe. Die verbleibende Zeit des Arbeitstages nutzten sie also, um dieses Loch mit einem zur Verfügung gestellten Gartenbagger auszuheben. Vielleicht würde ihnen auch noch die Zeit reichen, um den Baum in das Loch zu stellen. Davor waren sie jetzt am Graben. Der Bagger hob Schaufel um Schaufel heraus, bis es einen Meter tiefer plötzlich knirschte, schepperte und eine unerwartete Wasserfontäne in die Höhe stieg. Der Baggerführer hatte die Hauptwasserleitung ins nächste Häuserquartier beschädigt. Welch Ungemach. Alle liessen die Werkzeuge fallen und sprangen unwirksam umher. Bald wurden die Wasserwerke informiert und ein entsprechender Einsatzwagen stand kurzum vor Ort. Nachdem das Wasser abgestellt war, grub der Baggerführer weiter, um die Leitung ganz freizulegen. Dann hätten anderntags wohl vier Bäume Platz gefunden in der offenen Erde. Jedenfalls konnte der Schaden noch am Abend behoben werden. Dennoch gab es einen enorm späten Feierabend und für den anderen Tag eine nicht unbedingt hoffnungsvolle Stimmung.
So flossen die Tage dahin und die Arbeitsfelder wurden mehr und mehr zu blühenden Gärten, so wie es der Manager vorhatte. Verschiedene Ansätze waren zu erkennen. Die Vielzahl der Acht Gärtnereien brachten Durchschnittliche Arbeit auf den Platz. Einige hatten mehr Elan und Einfälle, so dass ihre Vorstellungen annähernd einem Park glichen. Nur zwei der Landschaftsverschönern kamen in der Wettbewerbs Endauslosung vor der Jury in die Ränge.
Der Zweitplatzierte Gärtner, Gartenbau Landliebe, agierte mit viel Enthusiasmus und viel Liebe zur Arbeit und zum Detail. Ein hoffnungsvoll schöner Platz, in den man sich verlieben hätte können. Es war ein hügeliger Wurf mit Berg, Steinen, Wasserlandschaft. Dazu viele Blumen, Büsche und einigen wenigen Bäumen. Eine Ruhestätte zum abspannen. Einen Wasserlauf zum Eintauchen. Grünfläche zum Aufleben. Alles sah aus wie von erhabener Hand hingeworfen. Lieblich, stimmig, eine Einheit im Gesamten und reizend für das Auge und die Seele.
Der Kommentar der Jury und des Managers war ausgezeichnet auf das Erwartete abgestimmt. Dieser Garten ist himmlisch und auch einmalig, das dürfe man eingestehen. Rundum Ruhe und Entspannung. Viel fürs Auge und auch für die Seele. Dies sei ein Tick Zuviel für die Geschäftsmenschen, welch in diesen Hotels einkehren würden. Schade.
Der als erster Erkorene hiess Landschaft mit Grün du Leben. Diese Fläche ist strukturiert und eingeteilt in drei einzelne Teile, die zusammen ein Ganzes ergeben. Zum einen ist es eine Grünfläche mit Büschen begrenzt. Darin ist ein kleiner Teich mit Blumen herum und Fischen. Gespeist wird dieser Teich von einem Bach, welcher auch die Trennung zwischen den anderen zwei Teilen vollführt. Die Grünfläche soll zu Spiel und Spass einladen, aber auch zum Hinlegen und nichts tun. Der nächste Teil ist geprägt von Blumen, Bäumen und diversen Sitzgelegenheiten. Ein zum Herunterfahren und ruhen anziehender Ort. Genau das, was gestresste Geschäftsmänner und Frauen nach getaner Arbeit oder Schulungen brauchen und für diese Menschen zum Besten sein wird. Der dritte Teil ist das Spezielle und die Augenweide am ganzen Platz. Es ist ein Gewächshaus mit einem aussergewöhnlichen Baum darin, einigen exotischen Blumen und Schmetterlingen. Der Raum ist hell, mit viel Glas und ansehnlich gebaut. Das tropische Klima ist bestimmt von hoher Feuchtigkeit und Wärme. Die Wärme für diesen Raum ist aus den Tiefen des Bodens gespeist. Der aussergewöhnliche Baum ist aus dem Urwald Brasiliens. Daran wächst zumal die Saftra Ilia. Nicht immer. Das heisst, nicht das ganze Jahr. Nur in den Wintermonaten ist die Blume entfaltet. Mit einer Blüte von siebzig bis hundert Zentimeter eine ausnehmend grosse Blüte. Und die Farben sind auch nicht zu übersehen. Es beginnt mit einem kräftigen Dunkelrot am äusseren Rand, und verändert sich durch die schönsten Regenbogenfarben hindurch bis zu einem hellen Gelbgrün in den Blütenkelch einfliessend. Welch verführerische Blume, in die man sich auch verlieben könnte.
Die Jury und der Manager waren sich einig. Dies ist der Gewinnergarten. Gut strukturiert, für Geschäftsläute, wie auch für Urlauber. Mit der Spezialität «Saftra Ilia», die auf den Zeitpunkt genau Menschen anziehen wird. Auch dieser Garten ist stimmig, lieblich, eine Einheit und reizend für das Auge. Auch hier können die Menschen sich fallen lassen und auftanken. Einfach meisterhaft!
Nach der Feier für den Gewinner ging es wieder zurück in den Alltag. Nur die Landschaft mit Grün und Leben durfte bei verschiedenen Hotels zum Leben erweckt werden.